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Ronald Rauhe im Sportbuzzer

von Ronald Verch

Potsdamer Kanute Ronald Rauhe nach Türkei-Trainingslager: Lob und Groll

Der Kajakfahrer des KC Potsdam ist zufrieden mit den jüngsten Einheiten auf dem Wasser, aber verärgert wegen neuer Olympia-Kanu-Pläne.

Ronald Rauhe ist niemand, der mit seiner Meinung und seinen Gefühlen hinter dem Wellenberg hält. Insofern gibt der Weltklasse-Kanute zu, dass er dem Trainingslager im türkischen Belek vorab sehr skeptisch gesonnen war. Wegen der Reise zur Corona-Hochphase. Aber auch wegen des politischen Hintergrunds. „Die Türkei würde ich nicht als privates Urlaubsziel wählen“, sagt der Kajakfahrer des KC Potsdam im OSC. „Aber ich habe mir klar gemacht, dass es eine letztlich notwendige Dienstreise ist, und mich damit arrangiert.“ Um nun nach der Rückkehr festzuhalten: „Wir hatten dort Top-Bedingungen. Es war eines der effektivsten Trainingslager, das ich in den vergangenen Jahren absolviert habe.“

Aufgrund der Pandemie suchten Deutschlands Spitzenpaddler nicht wie gewohnt während des Winters die Wärme Floridas auf, sondern wichen erstmalig in die Mittelmeer-Stadt Belek aus. In einem modernen Sportzentrum fanden Rauhe & Co. auf kurzen Wegen und unter ordentlichen Hygienebedingungen alles, was sie brauchten. Eine gute Unterbringung und Verköstigung, bestens ausgestattete Krafträume und ein angenehmes Wasserrevier. Ihre Bootskilometer legten die Athleten auf einem Fluss hinter der Küstenlinie zurück. „Wir hatten nie Wind. Dadurch konnten wir auf konstant hohem Niveau trainieren“, berichtet Rauhe. Wertvolle Grundlagen für den zweiten Anlauf auf Olympia in Tokio wurden gelegt.

Nach den guten Erfahrungen soll auch im Februar der nächste Warmwasserlehrgang in Belek durchgeführt werden. Ein Knackpunkt an dem Standort gebe es jedoch, meint der 39-Jährige. „Der Fluss ist nicht sonderlich breit. Jetzt war nicht viel los. Aber wenn die Sportleranzahl größer werden sollte, könnte es eng werden und damit nicht mehr optimal sein.“ Perfektionismus ist eine prägende Eigenschaft von Rauhe, der alles daran setzt, bei den hoffentlich 2021 stattfindenden Sommerspielen von Tokio einen glänzenden Abschluss seiner glorreichen Karriere zu schaffen.

Paris 2024 wird der vierfache Olympia-Medaillengewinner nicht als Aktiver erleben. Und doch beschäftigen ihn diese Spiele. „Ich ärgere mich, dass der Kanu-Weltverband ICF wilde, nicht zielführende Entscheidungen trifft“, sagt Rauhe. Die ICF hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Veränderung des Kanu-Programms vorgeschlagen, um aus ihrer Sicht moderner und attraktiver zu werden. Weil den Paddlern künftig zwölf Athletenplätze weniger zur Verfügung stehen werden, soll Extrem-Slalom im Wildwasser für Männer und Frauen eingeführt werden und dafür zwei Rennsport-Disziplinen wegfallen. Das IOC hat dem Plan inzwischen zugestimmt.

Nachwuchssportlern fehlt klare Perspektive

Demnach wird die einst verkündete Zukunft des Kanu-Rennsports schon bald wieder weitestgehend enden. 2012 waren nach Jahrzehnten mit unverändertem Programm vier 200-Meter-Strecken neu hinzugekommen. Auf Kosten des Extrem-Slaloms sollen in Paris nun die Einer-Kajakrennen im Sprint der Männer und Frauen wegfallen, für Tokio waren auch schon der K2 der Herren und der Canadier-Einer auf der kürzesten Distanz wieder gestrichen worden. Bleibt über 200 Meter nur noch der C1 der Damen, der in Tokio Premiere feiern soll. „Dass die Sprints verschwinden, finde ich schade“, sagt Rauhe, der in Rio 2016 im K1 Bronze geholt hatte. „Aber ich fände es auch für jede andere Strecke schade. Das zuletzt ständige Durchgewürfel des Olympia-Programms belastet die Sportler wegen der Unsicherheit. Nachwuchssportler erkennen keine klare Perspektive mehr.“
Seiner Meinung nach weiche die ICF mit der Planänderung nur ihrem größten Problem aus. „Kanu bekommt bei Olympia den wichtigen asiatischen und amerikanischen TV-Markt nicht erschlossen. Extrem-Slalom ändert daran auch nichts“, sagt Rauhe. Stattdessen müsste der Verband viel mehr Engagement zeigen, um den Kanusport generell dort bekannter, besser zu machen. Dies ließe sich einerseits durch Wettkämpfe in Asien und Amerika erreichen, die es bislang kaum gibt. Und zum anderen müssten die dortigen Strukturen professionalisiert werden, damit der europäisch geprägte Kanusport auch interkontinentale Konkurrenz erfährt. Trainer-Knowhow als Austauschprogramm für andere Länder und gemeinsames Training schlägt der 16-fache Weltmeister vor. „Die ICF muss dafür sorgen, dass in diesen Regionen Erfolgspotenzial liegt – dann ist das auch attraktiver und braucht nicht ständig andere Wettkämpfe.“

Gegenseitiges Ausspielen ist "widerlich"

Das Paris-Programm der Paddler sieht außerdem vor, dass die männlichen Zweier-Rennen im Kajak und Canadier über 1000 Meter, die seit der olympischen Kanu-Premiere 1936 in Berlin ausgefahren werden, auf 500 Meter verkürzt werden. Für Tokio gilt der Potsdamer Jacob Schopf als K2-Goldkandidat auf der dann vorerst letztmalig langen Distanz. Und im 1000-Meter-C2 holten Potsdamer Duos sowohl 2012 als auch 2016 den Olympiasieg. Erst Peter Kretschmer/Kurt Kuschela, dann Sebastian Brendel/Jan Vandrey. Brendel hatte zuletzt auch Kritik an den ICF-Plänen geäußert. Dass der Verband die Athleten des Kanu-Slaloms und -Rennsports durch ausgewechselte Wettbewerbe gegeneinander ausspiele, bezeichnete der Dreifach-Olympiasieger als „widerlich“.

Tobias Gutsche/Sportbuzzer

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