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Kanu: Weltmeisterduo Schopf und Hoff mit Vertrauen in gemeinsame Stärke

von Ronald Verch

Als "Generationenboot" sorgten sie mit dem WM-Titel 2019 für Furore. Nun überzeugte der Potsdamer Schopf bei den Sichtungen, sein 17 Jahre älterer Paddelpartner aus Essen nicht. Dennoch lebt der Olympia-Traum als Team.

Vertrauen ist in Teambooten beim Kanu-Rennsport ein wichtiger Faktor. Die Besatzung muss zur Einheit werden, den Schlag bestmöglich synchronisieren und aufeinander abstimmen. „Das geht nur, wenn man sich auf den anderen verlassen kann“, sagte Jacob Schopf. In seinem Fall hat der Paddler des KC Potsdam im OSC großes Vertrauen in Max Hoff aus Essen. Und umgekehrt. Und auch die Bundestrainer sind von diesem Duo überzeugt, machten sie doch am Dienstag in einer Online-Presserunde deutlich, dass Hoff/Schopf in dieser Konstellation für die Olympia-Qualifikation nächsten Monat beim Weltcup im ungarischen Szeged antreten sollen.

"Einer-müde", aber "Bock" auf Zweier

Das seien schließlich „unsere Weltmeister“, betonte der in Potsdam tätige Cheftrainer Arndt Hanisch. 2019 hatten beide in eben jenem Szeged WM-Gold im Kajak-Zweier über die olympischen 1000 Meter geholt. Das sogenannte „Generationenboot“ – Schopf damals 19 Jahre alt, Hoff fast 36 – steuerte erwartungsfroh Tokio entgegen. Doch nun, zwei Jahre statt wie geplant nur eine Saison später – schlingert einer der beiden auf dem Kurs. Während der Potsdamer Youngster bei den beiden nationalen Sichtungen zuletzt herausragte, lief es für den Routinier nicht rund. Etwa drei beziehungsweise sogar acht Sekunden auf dem einen Kilometer, fünf Sekunden auf der halben Distanz trennten beide in den Finalläufen. Hoff lag im Mitteldistanz-Gesamtranking nur auf Platz acht. Für Hanisch kein Grund zum Zweifeln. Es müsse nicht gleich alles umgeschmissen werden, sagte er. Zumal im Training keine Mängel zu erkennen gewesen sein.

Auch Schopf beschwor im SPORTBUZZER-Gespräch die gute Trainingsqualität seines Bootspartners, die er über die vergangenen Monate hinweg aus nächster Nähe begutachten konnte. „Ich weiß, was Max kann“, sagte der gebürtige Berliner. Er glaube nicht, dass ein Zweier mit Hoff weniger stark sei als einst. „Ich denke eher, dass Max nach all den Jahren nur etwas Einer-müde ist.“ Hanisch stellte ihn ebenfalls als „Mannschaftsboottyp“ heraus.
Der achtfache Weltmeister und Vierer-Olympiasieger von 2016 bekräftigte derweil, „Bock“ auf die bevorstehende Herausforderung mit Schopf zu haben. Die nationale Selektion zum Saisonstart sei immer mit großem Druck verbunden, ordnete Sportdirektor Jens Kahl ein. Offenbar setzte das Hoff am Ende seines letzten Olympiazyklus ungewöhnlich stark zu. „Aber wenn es um die Wurst ging, dann war ich immer da“, zeigte er sich optimistisch für den weiteren Saisonverlauf.

Reines Potsdamer Boot als Option

Ab nächster Woche bereitet sich der Nationalkader im brandenburgischen Kienbaum zunächst auf den Weltcup vor. Dabei sollen sich die Teams einfahren. Die amtierenden K2-Weltmeister wollen auf einer Welle Richtung Tokio zur gemeinsamen Stärke finden. Doch, sagte Hoff selbst, sei er „Sportsmann genug, um Jacob nicht ins Verderben zu stürzen“. Er werde seine eigene Entwicklung genau beobachten und notfalls seinen Platz räumen, wenn die Leistung nicht olympiareif werden sollte.

Dann könnte womöglich ein reines Potsdam-Boot entstehen. Schließlich überzeugte bei den Sichtungen Martin Hiller, mit 21 ein Jahr jünger als Schopf, als Ranglistenzweiter auf der Mitteldistanz. Beide wurden 2017 schon Junioren-Weltmeister im Vierer. Doch der Fokus liegt auf der Konstellation Hoff/Schopf. „Ein eingefahrenes Boot hat seine Vorteile“, sagte der Potsdamer, der das Geschaffene als Team „nicht einfach sterben lassen“ wolle. Der Junge möchte sich vielmehr als Stütze für den Älteren erweisen, um zu zweit gestärkt hervorzugehen. „Max hat mir schon so viel geholfen, wenn ich Probleme hatte. Jetzt werde ich ihm helfen.“

Schopf liebäugelt mit Doppelstart

Probleme hatte Schopf zum Beispiel nach der coronabedingten Olympia-Verschiebung, die ihm für den Moment den Antrieb raubte. Die Sorge, Rückschritte in dem einen Jahr zu machen, konnte Hoff ihm nehmen. „Ich habe stattdessen neue Fortschritte geschafft. Die guten Leistungen bei der Sichtung geben mir jetzt einen ziemlichen Kick an Motivation“, sagte der zweifache Weltmeister.

Diese Motivation lässt ihn auch immer mehr mit einem Doppelstart liebäugeln. Der Einer über 1000 Meter reize sehr, sagte Schopf. Allerdings werde er genau abwägen, welche Erfolgsaussichten seine Teilnahme darin hätte, denn das kräfteraubende Solo wird in Tokio vor dem Duett gepaddelt. „Lieber starte ich einmal und hole Gold“, erzählte er, „statt zweimal bloß Vierter zu werden.“

Dieser Text schien am 20.04.2021 auf sportbuzzer.de, und kann hier abgerufen werden. Autor ist Tobias Gutsche von der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ)

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